Ratgeber · 19. Oktober 2026

BFSG und WordPress: Wann Ihre Website barrierefrei sein muss

Gilt das BFSG für Ihre WordPress-Website? Welche Seiten betroffen sind, welche Themes und Plugins typische Barrieren erzeugen und wie Sie Ihre Seite in 30 Sekunden prüfen.

Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) gilt seit dem 28. Juni 2025 für WordPress-Websites, über die Verbraucher online einen Vertrag schließen können: WooCommerce-Shops, Buchungsseiten, Online-Kurse, Ticket- und Abo-Angebote. Ein reiner Blog oder eine Unternehmenswebsite, die nur informiert, fällt in der Regel nicht darunter. Ob WordPress, ein anderes System oder eine Eigenentwicklung dahintersteht, spielt für das Gesetz keine Rolle.

WordPress selbst ist dabei selten das Problem. Die meisten Barrieren entstehen durch Theme, Page-Builder, Formular- und Cookie-Plugins und durch die Inhalte. Dieser Artikel zeigt, wann das BFSG Ihre Website betrifft, wo in WordPress die typischen Fehler liegen und wie Sie sie finden. Er ist eine technische Einordnung und keine Rechtsberatung.

Gilt das BFSG für meine WordPress-Website?

Das BFSG erfasst nach § 2 Nr. 26 BFSG sogenannte Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr. Gemeint sind Angebote über Websites und Apps, die auf individuelle Anfrage eines Verbrauchers im Hinblick auf den Abschluss eines Verbrauchervertrags erbracht werden. Entscheidend ist also nicht das Content-Management-System, sondern was Besucher auf der Seite tun können.

Art der WordPress-Website Fällt unter das BFSG?
Blog, Magazin oder Portfolio ohne Verkauf In der Regel nein
Unternehmenswebsite, die nur informiert In der Regel nein
Website mit einfachem Kontaktformular Umstritten, überwiegend nein
Online-Terminbuchung für Privatkunden Nach verbreiteter Auffassung ja
WooCommerce-Shop mit Privatkunden Ja, sofern kein Kleinstunternehmen
Online-Kurse, Mitgliedschaften, Tickets, Abos Ja, sofern kein Kleinstunternehmen
Reiner B2B-Shop mit geprüftem Zugang In der Regel nein
Website einer Behörde oder öffentlichen Stelle Nein, dort gilt die BITV 2.0

Zwei Ausnahmen sind wichtig:

  • Kleinstunternehmen: Wer Dienstleistungen anbietet und weniger als 10 Beschäftigte sowie höchstens 2 Millionen Euro Jahresumsatz oder Jahresbilanzsumme hat, ist nach § 3 Abs. 3 BFSG von den Barrierefreiheitsanforderungen ausgenommen.
  • Reine B2B-Angebote: Das BFSG schützt Verbraucher. Wer nachweislich nur an Unternehmen verkauft, ist in der Regel nicht betroffen.

Beim Kontaktformular gehen die Einschätzungen auseinander. Ein allgemeines Formular für Fragen wird überwiegend nicht als ausreichend angesehen. Je näher ein Formular an einer konkreten Bestellung oder Buchung liegt, etwa bei Angebotsanfragen mit Preisauswahl, desto eher kann es anders aussehen. Rechtsprechung dazu gibt es bisher kaum. Wenn Sie unsicher sind, lassen Sie Ihren Fall rechtlich prüfen. Die vollständigen Pflichten, Ausnahmen und Bußgelder bis 100.000 Euro erklären wir in BFSG für Onlineshops: Diese Pflichten gelten seit Juni 2025.

Für Agenturen gilt: Verpflichtet ist nach dem BFSG der Anbieter der Dienstleistung, also der Betreiber der Website. Welche Verantwortung die Agentur trägt, ergibt sich in der Regel aus dem Vertrag mit dem Kunden.

Was WordPress selbst mitbringt

Für den Programmcode von WordPress gibt es verbindliche Regeln. Laut den WordPress Coding Standards wird von Code im WordPress-Ökosystem, darunter WordPress Core, die Websites auf WordPress.org und offizielle Plugins, erwartet, dass er die WCAG 2.2 auf Stufe AA erfüllt. Für Themes und die vielen tausend Plugins von Drittanbietern gilt diese Erwartung nicht automatisch.

Im Theme-Verzeichnis auf WordPress.org gibt es zusätzlich das Schlagwort accessibility-ready. Themes, die es tragen, müssen eine Liste von Anforderungen erfüllen, unter anderem:

  • Sprunglink zum Hauptinhalt
  • vollständige Bedienbarkeit per Tastatur
  • benannte Seitenbereiche (Landmarks) und eine logische Überschriftenstruktur
  • ausreichende Farbkontraste für Text und Bedienelemente
  • beschriftete Formularfelder und unterstrichene Links im Fließtext
  • Unterstützung für Zoom und geänderte Textabstände

Das Schlagwort ist ein guter Ausgangspunkt, aber keine Garantie. Es bezieht sich auf das Theme im Auslieferungszustand. Sobald Sie Farben ändern, einen Page-Builder einsetzen oder Plugins ergänzen, kann jede dieser Anforderungen wieder verletzt sein. Premium-Themes von Marktplätzen außerhalb von WordPress.org tragen das Schlagwort nicht, unabhängig von ihrer tatsächlichen Qualität.

Maßstab für das BFSG sind die WCAG 2.1 auf Stufe AA, auf die das Gesetz über die harmonisierte Norm EN 301 549 verweist. Wer heute neu baut, orientiert sich am besten gleich an WCAG 2.2, die einige Kriterien ergänzt, etwa zur Mindestgröße von Klickflächen und zum nicht verdeckten Fokus.

Die häufigsten Barrieren in WordPress-Websites

Theme und Farben

Viele Themes arbeiten mit hellgrauer Schrift, dezenten Buttons und Platzhaltern in Pastellfarben. Normaler Text braucht einen Kontrast von mindestens 4,5:1, große Schrift und Bedienelemente wie Rahmen von Eingabefeldern mindestens 3:1. Prüfen Sie auch Hover-Zustände, Hinweisboxen und Text auf Bildern. Häufig fehlt außerdem ein sichtbarer Tastaturfokus, weil ein Stylesheet ihn mit outline: none entfernt.

Einen kräftigen Fokusrahmen ergänzen Sie in klassischen Themes unter Design > Customizer > Zusätzliches CSS, in Block-Themes im Website-Editor unter Stile > Zusätzliches CSS:

:focus-visible {
  outline: 3px solid currentColor;
  outline-offset: 3px;
}

Page-Builder

Page-Builder machen Layouts einfach, erzeugen aber viel verschachtelten Code. Typische Folgen:

  • Überschriften werden nach Optik statt nach Gliederung gewählt, etwa eine H4 direkt nach der H1 oder Fließtext in einem Überschriften-Element.
  • Buttons und Icons sind als div oder Bild umgesetzt und haben keinen Namen, den ein Screenreader vorlesen kann.
  • Slider und Karussells laufen automatisch und lassen sich nicht anhalten.
  • Animationen beim Scrollen ignorieren die Systemeinstellung für reduzierte Bewegung.
  • Akkordeons und Tabs lassen sich nur mit der Maus öffnen.

Viele dieser Punkte lassen sich in den Einstellungen des jeweiligen Elements beheben, etwa durch das richtige Überschriften-Tag oder eine Beschriftung für Icon-Buttons. Bei Slidern hilft oft nur, das Autoplay abzuschalten oder das Element zu ersetzen.

Formulare

Ob Kontaktformular, Newsletter-Anmeldung oder Buchungsformular: Viele Formulare verzichten aus optischen Gründen auf sichtbare Beschriftungen und arbeiten nur mit Platzhaltern. Sobald der Besucher tippt, verschwindet der Platzhalter, und Screenreader lesen ihn nicht zuverlässig vor. Achten Sie auf:

  • sichtbare Beschriftungen, die mit dem Feld verknüpft sind
  • Fehlermeldungen als Text, nicht nur durch einen roten Rahmen
  • Pflichtfelder, die nicht nur mit einem Sternchen in Farbe markiert sind
  • Captchas, die ohne Bilderrätsel lösbar sind, oder eine barrierefreie Alternative

Cookie-Banner und Popups

Der Cookie-Banner ist auf fast jeder WordPress-Website das erste Element und damit oft die erste Barriere. Er muss per Tastatur sofort erreichbar sein, ausreichend Kontrast haben, bei 400 % Zoom vollständig bedienbar bleiben und darf den fokussierten Inhalt nicht dauerhaft verdecken. Gleiches gilt für Newsletter- und Rabatt-Popups: Der Fokus gehört beim Öffnen in den Dialog, Escape schließt ihn, und danach landet der Fokus wieder dort, wo er vorher war.

Inhalte im Block-Editor

Auch das beste Theme hilft nicht, wenn die Inhalte Barrieren enthalten:

  • Alternativtexte: Pflegen Sie sie in der Mediathek unter Medien > Bibliothek im Feld „Alternativer Text“. Rein dekorative Bilder bleiben leer.
  • Überschriften: Eine H1 pro Seite, danach H2 und H3 in logischer Reihenfolge.
  • Linktexte: „Hier klicken“ oder „Mehr“ sagt außerhalb des Zusammenhangs nichts. Besser: „Preisliste ansehen“.
  • Sprache: Die Sprache der Website stellen Sie unter Einstellungen > Allgemein ein. WordPress setzt daraus das lang-Attribut, das Screenreader für die richtige Aussprache brauchen.
  • Videos und PDFs: Videos brauchen Untertitel, PDFs zum Herunterladen sollten selbst barrierefrei sein oder eine HTML-Alternative haben.

Barrierefreiheits-Plugins und Overlays

Im Plugin-Verzeichnis finden Sie zahlreiche Plugins, die eine Werkzeugleiste mit Schriftgröße, Kontrastmodus oder Vorlesefunktion einblenden. Manche versprechen, eine Website mit einem Klick barrierefrei oder BFSG-konform zu machen. Solche Overlays ändern den Code Ihres Themes nicht und beheben die zugrunde liegenden Fehler nicht. Nützlich sind dagegen Plugins, die Fehler beim Bearbeiten anzeigen oder dauerhaft im Code beheben, etwa einen Sprunglink ergänzen. Warum ein Overlay nicht reicht, erklären wir in Accessibility-Overlays und das BFSG: Warum ein Plugin nicht reicht.

WooCommerce: zusätzliche Punkte für Shops

Betreiben Sie mit WooCommerce einen Shop, kommen Produktseiten, Varianten, Warenkorb und Checkout hinzu. WooCommerce selbst ist ordentlich gebaut, doch Rechtstexte-Plugins im Checkout, Zahlungsanbieter, Bewertungs-Widgets und Filter bringen eigenen Code mit. Die Schritte im Detail finden Sie in WooCommerce barrierefrei machen: BFSG-Checkliste für WordPress-Shops.

So prüfen Sie Ihre WordPress-Website

  1. Automatisch prüfen. Ein automatisierter Test findet in kurzer Zeit Kontrastfehler, fehlende Alternativtexte, unbeschriftete Felder und Links ohne Namen. Er erkennt erfahrungsgemäß 30 bis 40 % aller Barrieren, darunter die häufigsten. Der kostenlose BFSG-Check prüft dafür drei Seiten in einem echten Browser.
  2. Mit der Tastatur testen. Gehen Sie die wichtigsten Seiten nur mit Tab, Umschalt+Tab, Enter und Escape durch: Menü, Suche, Formulare, Cookie-Banner, Popups.
  3. Zoomen. Vergrößern Sie die Seite auf 400 %. Nichts darf abgeschnitten werden, und seitliches Scrollen sollte nicht nötig sein.
  4. Mit Screenreader stichprobenartig testen. NVDA unter Windows ist kostenlos, VoiceOver ist auf Mac und iPhone bereits eingebaut.
  5. Nach jedem Update erneut prüfen. Theme-Updates, neue Plugins und neue Inhalte können neue Barrieren einführen.

Welche Prüfwerkzeuge es gibt und was sie leisten, zeigt unser Vergleich der Tools zur Barrierefreiheitsprüfung.

Informationen zur Barrierefreiheit veröffentlichen

Fällt Ihre Website unter das BFSG, brauchen Sie zusätzlich Informationen zur Barrierefreiheit nach Anlage 3 BFSG. In WordPress legen Sie dafür eine Seite unter Seiten > Erstellen an und verlinken sie im Footer-Menü. Einen Entwurf erstellen Sie mit unserem kostenlosen Generator für die Barrierefreiheitserklärung, die nötigen Angaben erklärt das Muster für die Erklärung zur Barrierefreiheit.

Häufige Fragen

Muss mein WordPress-Blog barrierefrei sein?

Nach dem BFSG in der Regel nicht, solange Besucher dort keinen Vertrag schließen können. Verkaufen Sie über den Blog Kurse, E-Books oder Mitgliedschaften an Verbraucher, kann das anders sein. Barrierefreiheit verbessert aber auch ohne Pflicht die Nutzbarkeit und oft die Auffindbarkeit in Suchmaschinen.

Gibt es ein WordPress-Plugin, das meine Website BFSG-konform macht?

Nein. Kein Plugin kann Kontraste im Design, Überschriften im Inhalt und die Bedienbarkeit von Theme und Plugins zuverlässig von außen korrigieren. Plugins können beim Finden und Beheben einzelner Fehler helfen, ersetzen aber keine Korrekturen im Theme und in den Inhalten.

Ist ein Theme mit dem Schlagwort accessibility-ready ausreichend?

Es ist ein guter Start, weil es grundlegende Anforderungen wie Sprunglink, Tastaturbedienung und Kontraste im Auslieferungszustand erfüllen muss. Eigene Farben, Page-Builder, Plugins und Inhalte können aber neue Barrieren einführen. Prüfen Sie deshalb die fertige Website, nicht nur das Theme.

Wer haftet, wenn eine Agentur die Website gebaut hat?

Nach dem BFSG ist der Anbieter der Dienstleistung verpflichtet, also der Betreiber der Website. Ob und wie die Agentur gegenüber ihrem Kunden verantwortlich ist, richtet sich in der Regel nach dem Vertrag. Diese Frage sollten Sie im Zweifel rechtlich klären lassen.

Wie schnell kann ich meine WordPress-Website prüfen?

Ein automatischer Schnellcheck dauert etwa 30 Sekunden und zeigt die häufigsten technischen Barrieren. Für eine vollständige Aussage braucht es zusätzlich manuelle Tests mit Tastatur und Screenreader.

Nächster Schritt

Prüfen Sie Ihre WordPress-Website oder Ihren WooCommerce-Shop in 30 Sekunden kostenlos auf die häufigsten Barrieren nach BFSG und WCAG 2.2 AA: Jetzt kostenlosen BFSG-Check starten. Sie sehen sofort, welche Probleme auf Startseite, Unterseiten und Formularen auftreten und wo Sie ansetzen sollten.

Dieser Artikel ist eine technische Einordnung und keine Rechtsberatung.